Über das Buch

In einer einsamen Villa am Stadtrand von Wien lebt eine alte Dame in einer versunkenen Welt voller Erinnerungen und kostbarer Antiquitäten. In ihrer Bibliothek hängt ein wunderbares Landschaftsgemälde von Gustav Klimt. Wer das Bild sieht, will es besitzen. So verwundert es manchen Gast, dass das Gemälde noch immer an seinem Platz hängt, zumal bereits Einbrecher das Haus heimsuchten. Und obwohl in der Gegend um die Villa Diebe ihr Unwesen treiben, vermutet Chefinspektor Ivo Schalk die Einbrecher im Kreise der Familie und Freunde der alten Dame. Seine Ermittlungen scheinen sich erst zu wenden, als neue Bewohner die Mansarde der Villa beziehen.

Prolog

Der Südwind schleuderte schwarze Wellen ans Ufer. Unten beim Bootshaus beutelte er eine Jacht auf dem stürmischen See. Der Schein einer Lampe fiel auf die Böschung. Ein Mann stieg den Weg von der Landstraße zur Uferpromenade hinab. Sein Auto hatte in einiger Entfernung abgestellt.
Das Licht verlosch. Der Mann betrachtete die Schemen der umliegenden Häuser, deren zugeklappte Fensterläden an fest verschlossene Augen erinnerten, schritt dann auf das Anwesen zu. Bis jetzt verdeckten keine Holzverschalungen die Schnitzereien unter dem Schindeldach, um sie vor der Winterkälte zu schützen. Der Herbst brach jedoch an, die Sommergäste waren abgereist. Über dem See lag Finsternis. Die Südseite der Villa mit ihren Giebeln, dem Balkon und der steinernen Terrasse, versank in der Nacht.
Durch den Garten drang ein schriller Laut den Abhang empor. Wer das Geräusch nicht kannte, dachte vielleicht an ein verhageltes Metallglockenspiel. In Wahrheit rüttelte der Wind an der Takelage der auf dem Wasser schaukelnden Jacht.
Flink öffnete er das hölzerne Tor, schlüpfte ins Haus, leuchtete in den Salon, der dahinter lag. Die goldene Kassettendecke und die dunkelroten Tapeten schufen selbst im Licht des Tages eine Atmosphäre der Trübnis.
Der Schein der Lampe fiel ins hinterste Eck des Vorraumes. Von dort führten Stufen ins Obergeschoss und in der zweiten Etage eine Spindeltreppe in den Turm hinauf. Bei günstigem Wetter erblickte man aus dem obersten Fenster den Dachstein.
Schon tappte er über die knarrende Stiege. Auch im Schlafzimmer darüber herrschte Finsternis. Wer die Villa nicht kannte, ahnte nicht, dass es im Sommer der schönste Raum war; morgens sah man vom Bett aus das Wasser des Sees funkeln wie einen großen türkisen Edelstein.
Der Besucher zog einen Gegenstand aus der Tasche, legte ihn dorthin zurück, wo er ihn einst entdeckt hatte. Eines Tages, dachte er, würde alles ihm gehören: das wunderbare Anwesen hier, die Villa im Wienerwald samt dem Garten mit
den riesenhaften Bäumen, das Gemälde in der Bibliothek, die Biedermeiermöbel und das Porzellan. Es schien nur eine Frage der Zeit.

Bilder lügen nicht: ein Fälscher-Roman. Twentysix 2016.