Vor Kurzem bin ich in einer Buchhandlung auf ein Werk der evangelischen Theologin und Zen-Meisterin Doris Zölls gestoßen, das meine Aufmerksamkeit erregt hat. „Disziplin als Anfang: Der Zen-Weg zur Liebe“ so der Titel. Disziplin und Liebe: zwei Begriffe, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, obwohl beide wichtig sind und für das Lebensglück eines Menschen entscheidend sein können.

Der Begriff Disziplin ist oft mit negativen Konnotationen belastet. Disziplin wird mit Unterdrückung und Gängelei assoziiert, doch sagen Studien, dass diszplinierte Menschen gesünder und besser leben.
Für Doris Zölls bedeutet Disziplin ein Hören auf das, was das Leben für uns bereithält, und sich davon nicht ständig abbringen lassen. Disziplin ist die Kraft bei einer Sache zu bleiben.

Die Entwicklung dieser Fähigkeit sieht die Autorin in den zehn Ochsenbildern, einem populären Bildzyklus des Zen-Buddhismus, versinnbildlicht. Der Hirte hat den Ochsen verloren und begibt sich auf die Suche nach ihm. Der Ochse und der Hirte stehen für den Menschen auf der Suche nach sich selbst.

Der Hirte folgt den Spuren des Ochsen (anfangs ist es ein fernes Wissen oder intuitives Fühlen), schließlich findet er ihn, zähmt ihn mit Achtsamkeit und kehrt auf seinem Rücken die Flöte spielend heim.
Der Ochse steht für den wilden Geist, der in der Meditation gezähmt wird, ohne ihn jedoch zu brechen, damit er seine Kraft nicht verliert, denn der Hirte braucht die Kraft des Ochsen.


Animationsfilm zu den Ochsenbildern der Loyola Productions Munich.

Doris Zölls: Diszpiplin als Anfang. Der Zen-Weg zur Liebe. Kösel-Verlag 2018.

Wikipedia-Eintrag „Der Ochse und sein Hirte“