Am Neujahrstag einen der gelungensten Filme der Geschichte wieder einmal auf DVD angesehen, nämlich Alfred Hitchcocks Vertigo. Während der Film lief, immer wieder darüber nachgedacht, warum gerade Vertigo wichtig ist. Die Handlung ist im Grunde genommen unglaubwürdig, die Szenen an manchen Stellen quälend lang. Deswegen floppte der Film wohl an den Kassen, als er 1958 zum ersten Mal in die Kinos kam.

Was ist nach mehr als fünfzig Jahren und einer überaus geglückten Restaurierung geblieben: Großartige Filmmusik und Kameraeinstellungen, der alternde James Stewart als von Höhenangst beeinträchtigter pensionierter Polizeibeamter Scottie in einer seiner besten Rollen, Kim Novak, als Inbegriff einer von männlichen Phantasien erschaffenen Hitchcock-Heroine. Im Gegenzug Midge (Barbara Bel Geddes) als reale, moderne Frau, die bei James Stewart abblitzt.

Passend dazu jener Ausschnitt, in dem Judy ein zweites Mal zu Madeleine wird, für kurze Zeit tatsächlich zurückzukehren scheint aus dem Reich der Toten, bevor James Stewart bemerkt, dass er von ihr hinters Licht geführt und als Zeuge für einen Mord missbraucht wurde.
Scottie zu Judy: „The necklace, Carlotta’s necklace, there was where you made your mistake, Judy. You shouldn’t keep souvenirs of a killing. You shouldn’t have been that sentimental.“