Ich will schreiben, aber vorher muss ich noch dieses und jenes erledigen und dann ist da diese E-Mail, auf die ich den ganzen Tag gewartet habe, die will ich ehestmöglich beantworten. Erst dann werde ich mich zurückziehen, meiner Imagination folgen und sie mit Sprache zum Leben erwecken. Aber werde ich dann noch die Kraft dazu aufbringen? Werde ich in die Geschichte hineinfinden? Werde ich zu dem Punkt kommen, an dem ich weiß, die Geschichte bewegt sich in jenen Bahnen, in denen sie sich bewegen soll?
Auch heute muss ich schreiben. Eine Manuskriptseite mindestens, besser eineinhalb, so habe ich es mir vorgenommen. Der Nachmittag ist schnell vergangen, jetzt ist es Abend, ich fühle mich ausgebrannt, ausgeschrieben. Seit sieben Uhr morgens bin ich wach und arbeite … Ja, ich habe geschrieben, nur jene Sache, die mir am wichtigsten ist, mein Roman nämlich, ist dabei auf der Strecke geblieben. Zu sehr war ich mit anderen Dingen beschäftigt und danach fühlte ich mich kraftlos und leer.

Schreiben auf Abruf – ein Wunsch, der sich selten erfüllt

Eigentlich habe ich mir für heute einen ambitionierten Schreib- und Lektüreplan vorgenommen. Das wird sich wohl nicht mehr ausgehen, außer ich zwinge mich, und dazu fehlt mir am Abend die Kraft. Muse auf Abruf funktioniert abends nicht. Habe ich mir also zu viel vorgenommen oder einfach falsch geplant und das Wichtigste auf den Abend verschoben?

Ich hoffe also auf morgen, auf den frühen Morgen, da ist der Kopf frisch und alles andere nicht so wichtig. Der frühe Morgen ist die kostbarste Zeit des Tages. Ich werde die Frühe nutzen, um das zu schreiben, was mir wichtig ist. Erst dann werde ich mich jenen Aufgaben zuwenden, die zählen, weil Geld zählt …