Warum ich den Herbst mag: seine Farben, sein weiches Licht, die Sonne manchmal heiß, dann wieder kühl, den Regen, den Nebel und die Sehnsucht nach dem Feuer.

In meiner Bibliothek steht ein Buch, das ich nicht zuletzt wegen des Titels gekauft habe. Es heißt Herbstfeuer und enthält Erzählungen des ukrainischen Schriftstellers Andrej Kurkow.
Auf der ersten Seite heißt es da: “Vom Standpunkt des Grases betrachtet fängt alles Gute im Frühjahr an und endet im Herbst, kurz vor dem Schneefall.”

Viele Dinge (nicht alle) sind am schönsten, wenn sie dem Ende zugehen. Der Sommer zum Beispiel, wenn die Blätter sich färben, ein unsteter Wind durch die Alleen mit den alten Kastanienbäumen dringt. Wenn die Stände auf dem Brunnenmarkt überquellen von all den Feld- und Gartenfrüchten, die das Land um die Stadt hervorbringt. Bilder, Geräusche, Gerüche. Laub, Rauch, Feuer. Gedanken an längst vergangene Reisen. Bruchstücke von Erinnerungen an eine Kindheit auf dem Land.

Im Sommer, wenn die Hitze wie eine schwere Haube über der Großstadt liegt, wächst in mir die Ödnis. Ich schließe die Fenster, lasse die Jalousien herunter und warte. Irgendwann im August beginnen die Bäume zu rauschen, ein kühler Hauch zieht ins Zimmer. Draußen auf den Fließen der Loggia liegen zwei welke Blätter. Und schon muss ich an die dunklen Abende im Herbst denken.
Früh zu Bett gehen mit einem Buch in der Hand und die Augen so lang wie möglich offen halten. Der Schlaf kommt ohnehin rasch. Am Nachmittag hast du eine Fahrt in den Wienerwald unternommen, bist dort durch das Laub der Buchen gestapft. Das Geraschel klingt dir immer noch im Ohr. Der Herbst macht dich schläfrig, doch sein Feuer wärmt …