„Zendo – das ist eine Art buddhistischer Tempel, nicht wahr?“
„Das Wort Tempel mag ich nicht so gern. Klingt mir zu sehr nach Religion.“
„Ist es denn keine Religion?“
„Es ist Zen.“
Basho lächelte wieder.
„Ich weiß, für Außenstehende ist das schwer zu begreifen.“
„Was genau bedeutet Zen überhaupt?“
„Zen oder auch Chan, wie es auf Chinesisch heißt, stammt von dem Sanskritwort Dhyana ab und bezeichnet dort einen Zustand, der nur durch intensive Meditation erreicht werden kann.“
„Dann muss man also meditieren, um zu verstehen, was Zen ist?“, fragte der Inspektor.
„Ganz recht. Es hat seinen Ursprung in China, kam dann ab dem sechsten Jahrhundert nach Japan und erhielt dort eine ganz eigene Prägung.“ Fast andächtig hob der Inspektor die Brauen.
„Glauben Sie wirklich, dass eine Jahrtausende alte fernöstliche Philosophie mit dem Geist unserer schnelllebigen Zeit vereinbar ist?“, konnte er sich dann aber nicht verkneifen.
„Zen ist heute notwendiger denn je. Es ist eine Frage der Disziplin und des Durchhaltevermögens, eine Frage des Charakters eben.“
„Im Kern geht es also um eine Art von Meditation?“, bohrte Marek weiter. Basho nickte.
„Das soll ja sehr gesund sein. Mein Arzt rät mir dazu.“
Als Basho ihn daraufhin in sein Zendo einlud, schien Marek sich aufrichtig darüber zu freuen. Dann wechselte der Inspektor allerdings jäh das Thema.

Aus „Tod im Teehaus“, Copyright PROverbis Wien.