Über Freud und Leid des Internets. Vor einigen Monaten habe ich erstmals ein Buch als eBook (später auch als Taschenbuch) veröffentlicht. Seitdem ist viel passiert. Ich habe mit meinem eBook Leser gefunden, die ich mit dem zuvor beim Kleinverlag erschienen Roman nicht erreicht habe. Natürlich blieben auch Enttäuschungen nicht aus, denn Buchhändler lieben Selfpublisher nicht und viele Menschen kaufen immer noch gern beim Buchhändler ihres Vertrauens.

Chronologie einer Entscheidung

Es war im Sommer 2015, als ich mich dazu entschloss, einen Roman, der seit vielen Jahren auf meinem Herzen und vor allem in meiner Schublade lag, nochmals zu überarbeiten und zu veröffentlichen. Dank Internet schienen die Möglichkeiten groß. Das Nadelöhr Vertrieb fällt dort nämlich weg. Wer die Berichte von Verlagsvertretern kennt, die von Stadt zu Stadt, von Buchhandlung zu Buchhandlung reisen, die Händler immerfort von der Qualität oder auch einfach Verkäuflichkeit von Neuerscheinungen zu überzeugen versuchen, der versteht, wovon ich spreche. Im Internet nun zählt statt analogem Marketing vor allem die Sichtbarkeit in Online-Shops und viele zufriedene Kunden, die dies in Rezensionen oder einfach in Verkaufszahlen kundtun. Ich habe aber auch die Schattenseiten eines neuen Marktes kennengelernt, der sich an den Verlagen und Buchhändlern vorbei im Internet entwickelt.
Das Gute zuerst: Für Menschen, die das Schreiben lieben, sich gern im Internet bewegen, aber sonst die Öffentlichkeit scheuen, ist ePublishing ein vielversprechender Weg, um neue Leser zu gewinnen. Klassische Buchhandlungen verlangen von Verlagen zum Teil hohe Prozente, kleine Verlage können da oft nicht mithalten, ein großer Nachteil für die Verlage, aber auch für deren Autoren. Im Internet fällt dieser Wettbewerbsnachteil weg.

Der Literat als Nerd: Eine seltsame, seltene Spezies?
Die großen Publikumsverlage scheinen vom Boom des Selfpublishings im Übrigen mehr betroffen zu sein als die traditionellen Literatur-Verlage. Denn vielen Autoren, die im Internet veröffentlichen, geht es vor allem ums Geld. Da werden Margen berechnet, Investitionen wie Lektorat und Cover-Design mit Verkaufserlösen gegengerechnet. So hat das eBook beispielsweise den Markt der klassischen Heft-Romane stark verändert. Pferderomane, Liebesromane, Erotik, Gewalt – Titel, die Menschen aufgrund der Anonymität lieber im Internet kaufen. Ein Heftroman umfasst zirka 60 Seiten: Auch viele Autoren, die eBooks zu Kampfpreisen verkaufen, bringen Kurzromane in rasch aufeinanderfolgenden Serien auf den Markt.

Plagiate im Internet
Immer wieder hört man in einschlägigen Foren von Plagiaten. Dies geschieht beispielsweise,wenn ein Käufer in einer Rezension von einer Ähnlichkeit zu einem Heftroman berichtet, den er irgendwann gelesen hat. Gleich darauf verschwindet das eBook aus dem Verkauf. Ein Sturm der Entrüstung bricht los. Den Autor scheint das wenig zu kümmern. Der sucht sich ein neues Pseudonym und fährt unter anderem Namen mit seinen Veröffentlichungen fort.

Besiegelt das eBook also das Ende der Buchkultur?
Nein, das glaube ich nicht, allerdings gehe ich davon aus, dass es für die Mehrzahl der Autoren, aber auch für viele Kleinverlage in Zukunft noch schwieriger sein wird, mit Büchern Geld zu verdienen. Zum einen wegen der Fülle an Neuerscheinungen, die den Markt überschwemmen, zum anderen wegen der Dumping-Preise, zu denen Self-Publisher ihre Werke anbieten. Im Gegenzug werden etablierte Verlage wohl vermehrt aufwendig gestaltete Hardcover auf den Markt bringen, um die optischen und haptischen Sinne ihrer Leser zu befriedigen.