Vorsatz für das Jahr 2016: Das Schreiben noch mehr zu einem selbstverständlichen Teil des Lebens machen, auch wenn ich einem „Brotberuf“ nachgehe.
In den vergangenen zehn Jahren habe ich viel Zeit am Schreibtisch verbracht. Der Gedanke an Geld oder Erfolg stand dabei nie im Vordergrund. Wer schreibt, um reich zu werden, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit bald wieder von der Literatur abwenden. Denn bei der Fülle an Neuerscheinungen allein im deutschsprachigen Raum wird es selbst für etablierte Schriftsteller immer schwieriger, vom Schreiben zu leben.
Ein Brotberuf ist deshalb wichtig. Im günstigsten Fall ist es einer, der das Schreiben unterstützt, indem er vielfältige Erfahrungen zulässt, die das Schreiben bereichern. Außerdem sollte es ein Beruf sein, der genug Kraft und Zeit lässt, um regelmäßig (am besten täglich) zu schreiben.
Oft wird das Bild vom einsamen Künstler bemüht, der abseits der Welt im stillen Kämmerlein vor sich hin werkelt. Tatsächlich brauchen kreative Menschen Raum und Zeit für sich und ihre Arbeit. Sie sollten sich aber nicht zu sehr abschotten, denn ihr Schreiben lebt von der Welt jenseits des Schreibtischs und den Erfahrungen, die sie dort sammeln.

Heilsame Gewohnheit: Mit der Hand schreiben
Das Schreiben mit der Hand entlastet vor allem jene Menschen, die hohe Ansprüche an sich und ihre schriftstellerische Arbeit stellen. Denn beim Schreiben mit der Hand rückt das Spielerische, Unfertige, Nicht-Perfekte (Lebendige) in den Vordergrund. So kann es eine beglückende Erfahrung sein, Geschichten oder ganze Romane in einem Notizbuch zu entwerfen und erst dann, wenn man ziemlich genau weiß, wohin die Reise führen wird, mit dem Schreiben der Rohfassung am Laptop zu beginnen.
Auch beim Schreiben einzelner Szenen und Kapitel sind Skizzen im Notizbuch oder auf einem leeren Blatt Papier hilfreich, denn das Unvollständige, Bruchstückhafte, das Nicht-Makellose verhilft dem Schreiben zu Leben. Selbst bei großer Kunstfertigkeit und handwerklicher Präzision bringt Perfektionismus leblose Kunst hervor. So wie ein Lebewesen zu Grunde geht, wenn es zu wenig Sauerstoff erhält, so stirbt Kunst, wenn ihr Schöpfer einzig auf ein perfektes Endergebnis schielt, ohne den Schaffensprozess mit der Tiefe des Seins zu durchleben.