Am Nachmittag nahm Edith die Straßenbahn in Richtung Wienerwald. In Dornbach stieg sie aus. Es war ein milder Herbsttag. Der Wind wirbelte die Blätter der Nussbäume stadtauswärts. Edith stieg die Stufen der Trimmelgasse hinauf. Da und dort hörte man Hundegebell hinter einem der Gartenzäune. Edith bog in die Heuberggasse ein, ging weiter den Berg hinauf, traf schließlich auf einen Schotterweg, der in einen Laubwald mündete. Ein verfallenes Pförtnerhäuschen mit einem offenen Grenzbalken stand am Wegrand. Als Edith das Buchenwäldchen durchquerte, flog ein Schwarm von Krähen über ihren Kopf hinweg davon. Am Ende des Hohlweges blieb sie überrascht stehen. Eine schlossartige Villa mit gelbem Verputz lag auf einem leichten Abhang in der Nachmittagssonne. Mit langsamen Schritten näherte sich Edith dem Anwesen, wobei sie zu einem sechseckigen Turm mit schmalen Fenstern aufblickte, der seitlich an das Dach aus grauem Schiefer anschloss. In der staubigen Einfahrt stand ein orangefarbener VW­Bus. Ein fransiger Perserteppich sah aus dem Heck hervor. Gleich neben dem Auto lag ein Baumstamm, dessen Borke mit einer Hacke aufgeschlagen worden war. Ediths Blick wanderte vorbei an den Sprossenfenstern zu den Dachzinnen.
Aus: „Bilder lügen nicht: Ein Fälscher-Roman“