Unheimliche Frauen: Gedanken über eine Gestalt der englischen Literatur. Vor einigen Jahren war die australische Schriftstellerin Kate Morton zu Gast in Wien und sprach bei einer Lesung über ihr Buch „Der verborgene Garten“, „The Forgotten Garden“ (2008). Darin erzählt Morton von einer in Australien aufgewachsenen Frau, die ein Cottage in Cornwall erbt und dort auf ein „schreckliches Familiengeheimnis“ stößt.

Die Story erinnerte auffallend an Daphne Du Mauriers Roman „Rebecca“ und in der Tat kam die Australierin sogleich auf die so genannten „spooky women“ (unheimlichen Frauen), wie die Australierin sie nannte, zu sprechen, die im England der Zwischenkriegszeit oft als Wirtschafterinnen in herrschaftlichen Häusern dienten. Meist handelte es sich dabei um wenig attraktive Damen, die aufgrund des Männermangels nach dem Ersten Weltkrieg keinen Ehemann fanden oder auch finden wollten und so alleinstehend blieben.

In der englischen Literatur gibt es eine Fülle solcher unheimlicher oder einfach exzentrischer Frauenfiguren. Miss Marple stellt die wohl berühmteste Figur dieser Art dar, eine weitere sehr berühmte Gestalt ist Mrs. Danvers, die Haushälterin in Daphne Du Mauriers Roman „Rebecca“. In der Verfilmung des Romans von Alfred Hitchcock aus dem Jahre 1940 wurde Judith Anderson in der Rolle der unheimlichen Mrs. Danvers für den Oscar nominiert. Der folgende kleine Ausschnitt aus dem Klassiker zeigt, dass sie ihn wie keine andere verdient hätte.


Hitchcock meinte übrigens, der unheimliche Effekt beruhe vor allem darauf, dass die Darstellerin nicht in die Szenen hineingeht, sondern von Anfang an dort steht, so als hätte sie schon immer dort gestanden. Ein Effekt, der sich, wie eben, auch sprachlich umsetzen lässt.