Draußen auf den Feldern beim Fluss steht der Weizen hoch, der Lärm der Zikaden steigt von dort zum Himmel empor, der Mais rauft seine Blätter im Wind. Mit dem Fahrrad so durch die Felder fahren. Danach brennen die Augen von der Sonne, die so hoch am Himmel steht, als würde sie gleich herunterfallen.
Als Kind fuhr ich oft so barfuß auf einem alten Rad über die Schotterstraße zu den Feldern hinaus. Die Sonne brannte auf der Haut, brannte in den Augen. Sommer. In irgendeinem südlichen Land erschien die Muttergottes und forderte die Kinder auf, sie sollten für den Frieden beten. Das Wort Friede war damals in aller Munde. Heute hört man überall vom Krieg.
Ein paar Jahre darauf fiel der Eiserne Vorhang. Ich reiste erstmals in den Osten und verliebte mich bald in dieses weite Land mit seiner alten Sprache und seinen vielen wunderbaren Schriftstellern. Im Winter war es klirrend kalt, doch im Sommer stand auch dort die Sonne hoch und blendete die, die zu lange in sie hineinschauen.
Ein heißer Sommer über Weizenfeldern. In Nikita Michalkovs Film „Die Sonne, die uns täuscht“ (1994) taucht irgendwann gegen Ende ein blutroter Heißluftballon über einem solchen gelben Weizenfeld auf. Unter dem Ballon baumelt das überlebensgroße Abbild eines Diktators. Oder ist es doch nur die Sonne, die da täuscht? In jedem Fall werden wieder Menschen belogen und so um ihre Zukunft betrogen.